Tagesarchiv: Samstag, der 26. April 2008

Wie schmeckt Krokodilfleisch?

Tja – das ist eine gute Frage! Ich (Micha B.) habe ja im Gegensatz zum Stähler hier in Australien kein Krokodil gegessen. Ich habe es vor ein paar Jahren in Zimbabwe schon einmal probiert und war nicht so sehr begeistert. Es schmeckte damals so ein wenig zwischen Hühnchen und Fisch, die Konsistenz war eher gummiartig. Inzwischen haben wir erfahren, dass der Geschmack sehr stark davon abhängt, womit das Krokodil gefüttert wurde. Hat das Krokodil mehr Huhn gekriegt, schmeckt auch das Krokodilfleisch eher hühnchenartig, bei mehr Fisch auf dem Krokodils-Speiseplan geht der Geschmack dann halt wieder stärker ins fischige…

6500 Kilometer – wir haben fertig

Der Rest der üppigen Massaman-Portion von gestern Abend wird noch niedergemacht, bevor wir uns auf die Piste zurück zum Great Northern Highway machen. Bald darauf und nach ein paar Flussfurten hat uns der Highway auch wieder. Ich beginne am Laptop die vergangenen Tage ins Blog zu hacken und rechne unsere bisher gefahrenen Kilomter zusammen. Die geplanten 6500 Kilomter sind erreicht, wir können also aufhören mit fahren ;-) . Diverse Umwege und Zusatztouren verschafften uns die zusätzlichen Kilometer – Bungle Bungle National Park, Broome, Abstecher in die Gibb, Abstecher in die Windjana Gorge. Schätzungsweise 1500 km liegen noch vor uns – Katherine, danach Darwin.

Ein kurzer Zwischenstopp in Fitzroy Crossing nutzen wir um den Durst unseres bisher treuen Gefährtes zu stillen, der sich später in Halls Creek als überdurchschnittlich hoch erweist. Bisher sind wir mit 15 Litern pro 100 Kilometer ausgekommen, nun sind es zwischen 20 und 30 Litern! Etwas beunruhigt inspizieren wir das Auto, ist der Luftfilter dicht, das Allrad angeschaltet, die Freilaufnaben in der Free-Stellung, steht der Kühlschrank auf gefrieren, statt auf kühlen? Nichts davon. Etwas beiläufig erwähnt Micha noch, dass es die letzten 300 Kilomter stetig bergauf ging. Wir vermuten den Grund darin und fahren erst mal mit einem plausiblen Grund für den erhöhten Spritverbrauch beruhigt weiter. Und tatsächlich, der Verbrauch fällt wieder, allerdings scheint er immer noch zu hoch.

Die Strecke des Great Northern Highways ist zwar landschaftlich sehr reizvoll, insbesondere ab Halls Creek, doch soviel Landschaft kann hier gar nicht sein, als dass man nicht irgendwann ins Dösen und Träumen kommt. Wir haben vereinbart, dass nur der Beifahrer auch ein Nickerchen halten darf, der Fahrer solle das unterlassen – wir halten uns beide daran. Aufregend wird es auf der Strecke nur immer dann, wenn ein Road Train entgegenkommt und sein Luftschwall das Auto so taumeln läßt, dass es auf der Straße zu halten schon einiger Lenkmanöver bedarf. Sofern im Dösen Schilder nicht übersehen werden, besteht auch eine gute Chance, nicht etwa falsch, bzw. gar nicht abzubiegen und an einem 500 Kilometer vom Ziel entfernten Ort herauszukommen. Auch wenn es etwas makaber klingt, selbst tote Tiere am Straßenrand sind mittlerweile eine willkommene Abwechslung. Meist sind es Kängurus, manche sind allerdings schon so platt, dass es auch ein Nasenbär oder Belugawal hätte sein können. Kühe verfolgen uns mit interessierten Blicken, während sie überlegen, auf die Straße zu stürzen. Immer wieder sind Buschbrände in der Ferne und auch Nähe zu sehen. Teilweise gehen sie bis an die Straße heran und neben uns züngeln die Flammen hoch, während sie das Gestrüpp verspeisen. Flammenfronten wälzen sich die Hänge hinauf und sind noch aus vielen Kilometern Entfernung zu sehen. Ein todbringendes, aber auch lebenspendendes Spektakel, dass die Natur meist durch Blitzschlag initiiert. All diese Ereignisse spenden Gesprächsmaterial, das, wenn wir verbissen daran festhalten, für etwa fünf Minuten Konversation herhalten kann, dann ist wieder Stille. Der Beifahrer macht ein Nickerchen, der Fahrer döst.

Zwei geplante Höhepunkte halten uns heute bei besonders guter Laune, ein Cappucchino in dem uns bereits bekannten Café in Halls Creek, das ja bereits ab 3 Uhr Nachmittags schließt und ein Dinner mit einem Krokodil in Kununurra. Wir erreichen Halls Creek gegen Mittag und freuen uns darauf, uns den Kaffee ins Gesicht zu schütten. Es ist nicht Wochenende und alle uns bekannten Rahmenbedingugen stehen gut, so dass wir eine realistische Chance haben, einen Kaffee ergattern zu können. Wir staunen nicht schlecht, als der Laden völlig verrammelt dasteht, als wolle er sagen, was wollt Ihr denn hier, heute ist Feiertag. Und in der Tat, heute ist ANZAC-Day, an dem den australischen und neuseeländischen Truppen im Ersten Weltkrieg gedacht wird. Es wäre zu verwegen, zu denken, an einem Feiertag hätte auch nur irgendetwas offen. Wer einen Kaffee will, muss sich einen selber machen, nur wo und womit? Das läßt unsere Hoffnung auch drastisch schwinden, was das Krokodilschnitzel angeht, welches wir für heute abend avisiert hatten. Und tatsächlich, in Kununurra angekommen herrscht ebensolche Stille, wie in Halls Creek. Ein paar Aborigines lungern im Schatten unter den Bäumen rum, ansonsten tote Hose. Was allerdings sehr verwundert, die Touristinfo hat offen. Dort wird uns leider ebenso bestätigt, dass Croc-Schnitzel heute kalt bleiben.

Na dann satteln wir halt um und braten Känguru in Knoblauch eingelegt. Wir sind beide so hungrig, dass es auch kaum vieler Worte und Taten bedarf, das Gericht in wenigen Minuten fertigzustellen. Unser Cabernet Sauvignon rundet das vorzügliche Mal erstklassig ab. Der Sternenhimmel lädt zum Schlafen darunter ein, entsprechend platzieren wir unsere Schlafsäcke unter das Kreuz des Südens.

Katherine

Nach dem Frühstück fahren wir gleich weiter nach Katherine und kippen uns dort erst mal einen Kaffee ins Gesicht. Außerdem erfahren wir in einer Internet-Klitsche, dass es nebenan im Restaurant Krokodil zu essen gibt. Das ist genau das, was wir hören wollten. Bis dahin vertreiben wir uns die Zeit in der Tourist Info und informieren uns über die hiesigen Attraktionen. Für morgen buchen wir einen Breakfast Cruise durch die Katherine Gorge. Dort bekommen wir zum Frühstück auf dem Schiff die Schlucht in der aufgehenden Sonne gezeigt. Auf die Frage, ob es in Katherine irgendwo Krokodil zu essen gäbe, sind sich beide Kolleginnen einig – es gibt nirgendwo Krokodil zu essen. Wir wollten sie nicht weiter bloßstellen und lassen unsere Belehrung. Das Krokodil hat vorzüglich gemundet, etwas gummiartige Konsistenz wie Tintenfisch, aber sehr lecker. Mit dem halben Liter Wein, den ich mir zum Essen bestellte, habe ich mich etwas übernommen. Deshalb fährt Micha uns die etwa dreißig Kilometer zu dem Parkplatz, wo die Bootsfahrt morgen losgehen soll. Ich liege sehr schnell im Bett, doch irgendwann des Nächtens treibt mich mein Brand zum Wassertrinken.

Tierwelt Australiens

Bereits in Sydney sind wir ganz aus dem Häuschen, als wir die ersten Papageien frei herumfliegen sehen. Ibise stochern im Hyde Park nach Würmern. In Adelaide geht es weiter mit noch bunteren Papageien.

Als wir unser erstes Känguru in den Flinders Ranges zu sehen bekommen, wird uns so richtig bewusst; wir sind in Australien. Doch damit nicht genug, im Laufe der Reise bekommen wir noch reichlich anderes zu sehen.

Adler, Bussarde und Falken, die sich zum Teil an Kadavern von Verkehrsopfern zu schaffen machen. Ein Bussard transportiert eine Schlange ab, im Übrigen die einzige Schlange, die wir bisher zu sehen bekamen. Kreischende Kakadus hängen bald überall herum und nerven mit Ihrem markerweichenden Geschrei, vorzugsweise, wenn der Morgenschlaf noch nicht beendet ist. Woher deren Name kommt, wird mir bei einer Lektüre unter einem von diesen Schreihälsen belagerten Bäume bald bewusst. Ich bekomme zwei Treffer ab und schreie aufgebracht – Kacker Du! Andere bunte Papageien und Kakadus, die es zu benennen erst noch ein Nachschlagewerk bedarf, gesellen sich stets dazu oder kreuzen unseren Weg. Der uns allen so bekannte Wellensittich hält sich hingegen sehr bedeckt, den sahen wir bisher nur im Bungle Bungle National Park.

Eingeführtes Getier, wie der Wildhund oder Dingo streunen im Watarrka National Park herum. Ein etwa 6000 Kilometer langer Zaun trennt das Sheep-Country vom Dingo-Country. Die zum Eisenbahnbau eingeführten Kamele, in Wirklichkeit sind das Dromedare aus Afghanistan, hatten irgendwann ausgedient und wurden sich selbst überlassen. Zwei der Nachfahren bekamen wir nahe Alice Springs zu Gesicht. Ausgebüchste Pferde streuen herum und stehen in kleinen Gruppen unter Bäumen Schatten suchend. Die frei herumlaufenden Kühe gehören sicherlich Farmern, das deuten jedenfalls die Brandzeichen an. Wie die übers ganze Land verteilten Viecher allerdings je wieder ihrem Eigentümer zugeführt werden sollen, ist uns beiden ein Rätsel. Im 19 Jahrhundert hatte ein begnadeter Jäger offensichtlich nichts besseres zu tun, als 24 Kaninchen einzuführen, um seiner Leidenschaft fröhnen zu können. Bekanntlich sind Kaninchen in ihrer Reproduktion äußerst effizient und so wurde schnell die Region und später ganz Australien von dieser Landplage überrollt. Der dadurch entstandene ökologische Schaden ist nicht mehr gut zu machen, einige spezialisierte Pflanzen fielen dem Kaninchenfraß zum Opfer und ganze Landstriche sind für immer verändert. Mit einer Virusinfenktion konnten später 99,9% der Kaninchen ausgerottet werden. Die 0,1% sind nun immun und vermehren sich wieder fleissig. Einige kleinere Känguruarten und andere Nager fallen den eingeführten Katzen zum Opfer und stehen kurz vor der endgültigen Ausrottung. Andererseits weiß man auch, dass noch lange nicht alle Tier- und Pflanzenarten Australiens entdeckt und katalogisiert wurden, so dass man von deren Verschwinden nie etwas erfahren wird. Traurig, nicht wahr!

Obwohl, wie ja schon mehrfach erwähnt, Australien die fiesesten, giftigsten und tödlichsten Tiere auf unserem Heimatplaneten beheimatet, bleiben wir vor deren Angriffen verschont. Weder Schlangen, noch recht giftig aussehende Spinnen laufen uns über den Weg. Trotzdem gibt es hier reichlich Spinnen. Beim Baden in der Galvans Gorge hängen große, bewohnte Netze über unseren Köpfen. Wie gefährlich die Spinnen sind, wollten wir nicht ausprobieren. An unserer Übernachtungsstelle unweit von Derby leuchten uns bläulich-silbern hunderte Spinnenaugen an, als wir mit unseren Stirnlampen in den Busch strahlten. Diese Spezies scheint etwas unangenehmer zu sein, wie sich später beim Durchblättern eines Büchleins “Hazardous Animals in Western Australia” herausstellte. Diese possierlichen Tierchen sind nachtaktiv und aggressiv, was ich durch Testen mit meinem linken Zeigefinger am eigenen Leibe erfahren durfte. Eigentlich wollte ich die Spinne nur anschubsen, was sie aber mit einem blitzschnellen Angriff parierte. Meiner noch schnelleren Reaktion verdanke ich möglicherweise, den nicht platzierten schmerzhaften Biss. Ich schüttelte die Spinne im selben Augenblick ab, als sie sich auf meinen Finger setzte. Der Schreck manifestierte sich durch eine minutenlange Gänsehaut auf meinem Arm und jetzt gleich nochmal beim Schreiben.

Wie erwähnt, sind Schlangen nicht über unseren Weg gelaufen – nur eine an einem Bussard hängend vorbeigeflogen -, noch haben sie sich in unseren Waden verbissen. Gewöhnlich sind sie schneller weg, als sie gesichtet werden können. Echsen hingegen lassen sich lieber ablichten und noch dazu gibt es schön bunte, große oder exotische. Wir beobachteten zum Beispiel eine bunt schillernde Echse am Wolfe Creek Crater beim Naschen an einer Ameisenstraße. In Derby am Campingplatz läuft eine Kragenechse einer Heuschrecke hinterher und verdrückt sie genüsslich. Das ganze passiert wenige Meter neben mir, als ich mich gerade wieder Bill Brysons humorvoller Beschreibung seiner Australienerfahrungen widmete. Ein großer Goanna faulenzt auf einem Felsen, als wir das Ende des Tunnels des Tunnel Creek erreichen. Ein Tannenzapfenskink kreuzt unseren Weg zur Erfrischung im Coward Spring. An der Piste zur Willie Creek Pearl Farm rennt uns ein Goanna und später noch ein uns unbekannter Skink über den Weg. In Malcolm Douglas Crocodile Farm bekommen wir natürlich noch viel mehr zu sehen, was ich aber hier nicht unserem Expeditionserfolg zuschreiben möchte und deshalb hier unerwähnt lasse. Trotzdem seien die Freshies – Süsswasserkrokodile – in der Windjana Gorge noch erwähnt, die sich in großer Anzahl dort zuerst an Land dösend, dann im Wasser den Schützenfischen auflauernd präsentierten. Geckos hängen an den immer beleuchteten Facilities der Campingplätze an den Wänden und fangen die vom Licht angezogenen Schwärmer. Nachts ist oft das Fiepsen der Geckos zu hören. Am Campingplatz in Derby klettert ein Laubfrosch die Wasserleitung hoch, ein anderer – mit meinen begrenzten Kenntnissen nicht klassifizierter Frosch – hüpft über den Weg.

Der bereits erwähnte Tunnel Creek erweist sich neben dem bereits erwähnten Goanna noch als weitere Quelle heimischer Tierwelt. Welse und andere Fische tümmeln sich im stockfinsteren Wasser ebenso wie Krebse und Frösche. Von der Decke baumeln Flying Foxes – Fledermäuse mit einer Spannweite von größer als fünfzig Zentimeter.

Natürlich seien auch die Emus erwähnt, die, wandernden Strohhütten gleich, unseren Weg mehrfach kreuzten. Wir sind erpicht darauf, sowohl Emu- als auch Krokodilfleisch einmal zu kosten. Mal sehen, ob das bei dem eingeschränkten Restaurantangebot, beziehungsweise Öffnungszeiten in Australien gelingt. Am Kings Canyon tummeln sich Zebrafinken an den Trinkwasserhähnen für die Touristen. Raben, Elstern und die etwas kleineren Peewees sind allgegenwärtig und schrecken erst immer in letzte Sekunde vor dem anrollenden Auto auf.

Die ganze Tierwelt wäre allerdings nichts, würde sie nicht von den allgegenwärtigen Fliegen im Outback und den im feuchteren Norden lebenden Moskitos begleitet. Trotz deren überwältigender Anzahl hält die australische Natur noch weitere Insekten bereit. Grüne und rote Ameisen, Stabheuschrecken, Gottesanbeterinnen, große Hundertfüssler, bunte Schmetterlinge und die dazugehörenden Raupennester, Käfer, Wanzen, Wespen und Bienen und so weiter. Termiten fräsen ganze Buschstriche entlang der Tanami Road mit Ihren Hügeln nieder. Ja sogar meterlange Würmer soll es hier geben, die die Stärke eines Unterarmes einnehmen können. Eine unvorstellbare Varianz an Form, Größe und Farbe bietet die hiesige Insektenwelt. Der Kontinent hatte ja auch geraume Zeit, diese außergewöhnliche Tier- und Pflanzenwelt hervorzubringen. Australien ist ein Quell an Ungewöhnlichem und noch Unbekanntem! Bei einer so gigantischen Ausdehnung, so erbarmunglosen Bedingungen im Outback und so wenigen Naturforschern auf diesem Kontinent wird das auch noch lange so bleiben.

Noch eine kleine Bemerkung zur unbekannten Tierwelt Australiens. Der Roadhousewirt von Mt. Barnett erzählt so beiläufig, dass nach dem Namen seines Nachbar, einem begnadeten Ornithologen, sogar ein Vogel benannt wurde. Das zeigt doch recht deutlich, es gibt noch viel zu entdecken dort.