6500 Kilometer – wir haben fertig

Der Rest der üppigen Massaman-Portion von gestern Abend wird noch niedergemacht, bevor wir uns auf die Piste zurück zum Great Northern Highway machen. Bald darauf und nach ein paar Flussfurten hat uns der Highway auch wieder. Ich beginne am Laptop die vergangenen Tage ins Blog zu hacken und rechne unsere bisher gefahrenen Kilomter zusammen. Die geplanten 6500 Kilomter sind erreicht, wir können also aufhören mit fahren ;-) . Diverse Umwege und Zusatztouren verschafften uns die zusätzlichen Kilometer – Bungle Bungle National Park, Broome, Abstecher in die Gibb, Abstecher in die Windjana Gorge. Schätzungsweise 1500 km liegen noch vor uns – Katherine, danach Darwin.

Ein kurzer Zwischenstopp in Fitzroy Crossing nutzen wir um den Durst unseres bisher treuen Gefährtes zu stillen, der sich später in Halls Creek als überdurchschnittlich hoch erweist. Bisher sind wir mit 15 Litern pro 100 Kilometer ausgekommen, nun sind es zwischen 20 und 30 Litern! Etwas beunruhigt inspizieren wir das Auto, ist der Luftfilter dicht, das Allrad angeschaltet, die Freilaufnaben in der Free-Stellung, steht der Kühlschrank auf gefrieren, statt auf kühlen? Nichts davon. Etwas beiläufig erwähnt Micha noch, dass es die letzten 300 Kilomter stetig bergauf ging. Wir vermuten den Grund darin und fahren erst mal mit einem plausiblen Grund für den erhöhten Spritverbrauch beruhigt weiter. Und tatsächlich, der Verbrauch fällt wieder, allerdings scheint er immer noch zu hoch.

Die Strecke des Great Northern Highways ist zwar landschaftlich sehr reizvoll, insbesondere ab Halls Creek, doch soviel Landschaft kann hier gar nicht sein, als dass man nicht irgendwann ins Dösen und Träumen kommt. Wir haben vereinbart, dass nur der Beifahrer auch ein Nickerchen halten darf, der Fahrer solle das unterlassen – wir halten uns beide daran. Aufregend wird es auf der Strecke nur immer dann, wenn ein Road Train entgegenkommt und sein Luftschwall das Auto so taumeln läßt, dass es auf der Straße zu halten schon einiger Lenkmanöver bedarf. Sofern im Dösen Schilder nicht übersehen werden, besteht auch eine gute Chance, nicht etwa falsch, bzw. gar nicht abzubiegen und an einem 500 Kilometer vom Ziel entfernten Ort herauszukommen. Auch wenn es etwas makaber klingt, selbst tote Tiere am Straßenrand sind mittlerweile eine willkommene Abwechslung. Meist sind es Kängurus, manche sind allerdings schon so platt, dass es auch ein Nasenbär oder Belugawal hätte sein können. Kühe verfolgen uns mit interessierten Blicken, während sie überlegen, auf die Straße zu stürzen. Immer wieder sind Buschbrände in der Ferne und auch Nähe zu sehen. Teilweise gehen sie bis an die Straße heran und neben uns züngeln die Flammen hoch, während sie das Gestrüpp verspeisen. Flammenfronten wälzen sich die Hänge hinauf und sind noch aus vielen Kilometern Entfernung zu sehen. Ein todbringendes, aber auch lebenspendendes Spektakel, dass die Natur meist durch Blitzschlag initiiert. All diese Ereignisse spenden Gesprächsmaterial, das, wenn wir verbissen daran festhalten, für etwa fünf Minuten Konversation herhalten kann, dann ist wieder Stille. Der Beifahrer macht ein Nickerchen, der Fahrer döst.

Zwei geplante Höhepunkte halten uns heute bei besonders guter Laune, ein Cappucchino in dem uns bereits bekannten Café in Halls Creek, das ja bereits ab 3 Uhr Nachmittags schließt und ein Dinner mit einem Krokodil in Kununurra. Wir erreichen Halls Creek gegen Mittag und freuen uns darauf, uns den Kaffee ins Gesicht zu schütten. Es ist nicht Wochenende und alle uns bekannten Rahmenbedingugen stehen gut, so dass wir eine realistische Chance haben, einen Kaffee ergattern zu können. Wir staunen nicht schlecht, als der Laden völlig verrammelt dasteht, als wolle er sagen, was wollt Ihr denn hier, heute ist Feiertag. Und in der Tat, heute ist ANZAC-Day, an dem den australischen und neuseeländischen Truppen im Ersten Weltkrieg gedacht wird. Es wäre zu verwegen, zu denken, an einem Feiertag hätte auch nur irgendetwas offen. Wer einen Kaffee will, muss sich einen selber machen, nur wo und womit? Das läßt unsere Hoffnung auch drastisch schwinden, was das Krokodilschnitzel angeht, welches wir für heute abend avisiert hatten. Und tatsächlich, in Kununurra angekommen herrscht ebensolche Stille, wie in Halls Creek. Ein paar Aborigines lungern im Schatten unter den Bäumen rum, ansonsten tote Hose. Was allerdings sehr verwundert, die Touristinfo hat offen. Dort wird uns leider ebenso bestätigt, dass Croc-Schnitzel heute kalt bleiben.

Na dann satteln wir halt um und braten Känguru in Knoblauch eingelegt. Wir sind beide so hungrig, dass es auch kaum vieler Worte und Taten bedarf, das Gericht in wenigen Minuten fertigzustellen. Unser Cabernet Sauvignon rundet das vorzügliche Mal erstklassig ab. Der Sternenhimmel lädt zum Schlafen darunter ein, entsprechend platzieren wir unsere Schlafsäcke unter das Kreuz des Südens.

Fahrt in den Norden

Sehr unzufrieden über die Nacht stehen wir wieder auf, es haben sich noch zwei weitere Fahrzeuge zu uns auf den Parkplatz gesellt, die neben den vorbeibretternden Road Trains immer wieder für Schlafstörungen sorgten. Es stehen über 1000 Kilometer Fahrt nach Kununurra an. Auch wenn es keinen Spaß macht, da müssen wir jetzt durch und begeben uns auf den Great Northern Highway Richtung Derby. An der Picnic Area “The Boab”, ein ähnlicher Baum, wie der Prisontree vor Derby, holen wir unser Frühstück nach. Mit gebackenen Bohnen, Speck und Rührei starten wir gestärkt in den Tag. Auf dem Weg nach Fitzroy Crossing kommen wir wieder an der Fairfield Leopold Downs Road vorbei, die uns bei der Herfahrt schon die ungute Nachricht, dass Windjana Gorge und Tunnel Creek geschlossen sei, verkündete. Wir werfen ein flüchtigen Blick in die Abfahrt und was steht da – Road open! Wir sehen uns beide wenige Sekunden an und drehen um, selbstverständlich nehmen wir die beiden Highlights der Gibb River Road mit. Kununurra muss warten, jetzt sind erst mal über hundert Kilometer Piste auf dem Plan.

DSC03011 Mit Taschenlampe und Sandalen bewaffnet wagen wir uns in das Dunkel des Tunnels (des Creeks). Zuerst erwartet uns eine hüfttiefe Furt durch den kühlen Creek, die wir offensichtlich auch hätten umgehen können, denn die uns entgegenkommenden Asiaten waren deutlich trockener. Wie auch immer, es war eine willkommenen Erfrischung zu den weit über 30 °C draussen. Sand in den Sandalen formt ein neues Fussbett. Angeblich gibt es ab und zu Freshies im Creek, wir sehen keines. Jedoch gibt es allerhand anderes Getier im Tunnel. Im Wasser tauchen Welse, Krebse und Frösche auf, an der Decke baumeln große Flying Foxes (Fledermäuse mit ca. 50 cm Flügelspannweite). Am Ende des Tunnels langweilt sich ein sonnenbadender Goanna und straft uns mit Desinteresse. Hingegen ist die Schule junger Enten etwas aufgeregter und verabschiedet sich creekabwärts.

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Windjana Gorge ist eine Schlucht, die der Lennard River durch die Napier Range gefräst hat. Landschaftliche ist sie sehr schön, doch das Aufregenste daran sind die Freshies, die am gegenüberliegenden Ufer mit aufgerissenem Maul sonnend dösen. Ein ungewollter Tritt veranlasst dann allerdings die Krokodile alle gleichzeitig ins Wasser zu stürmen. Ein Spektakel, das in in einer Sekunde zu ende ist. Die Viecher sind verdammt schnell, was wir ja auf Malcolms Croc-Farm schon live miterleben durften. Eines von Ihnen ist nur etwa zwei Meter von uns entfernt im Wasser und lauert auf die vorbeiziehenden Schützenfische. Einen davon erwischt er in unserem Beisein, sehr spannend! Die angekündigten Pythons haben sich leider nicht blicken lassen, trotzdem ein sehr gelungenes Event. Höchst zufrieden über unsere kurzfristige Planänderung machen wir uns auf Schlafplatzsuche. Abseits der Fairfield Leopold Downs Road belohnen wir uns mit Massaman Curry und Cabernet Sauvignon. Wir freuen uns, nun doch noch die Windjana Gorge und den Tunnel Creek gesehen zu haben.

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Leider haben sich an der Lennard Gorge vor einigen Tagen meine Meindl Trekkingstiefel verabschiedet. Sie haben mich treu und sicher auf den meisten meiner Fernreisen einige hundert Kilometer durch Sand- und Eiswüsten, über Berge und durch Flüsse und Sümpfe, durch Dschungel und Steppe getragen, nun müssen wir uns leider trennen. Meinen Dank an dieser Stelle an Meindl für dieses exzellente Schuhwerk. Mal sehen, wie weit ich mit meinen Trekkingsandalen komme. Im Land der giftigsten Bodenbewohner der Erde kein prickelnder Gedanke!