Gibb River Road, Tag 3

Nach gemütlichem Aufstehen, Frühstücken und Lesen, treibt uns der Backofen Sonne wieder ins Auto. Den Rest der Strecke nach Mt. Barnett haben wir ziemlich schnell geschafft. Die Hoffnung, dort einen Cappucchino zu ergattern, wurde durch den Vermerk an der Türe des Roadhouse ‘Closed’ schnell zerschlagen. Tja, es ist ‘wet season’ und Sonntag, also quasi touristenfreie Zeit. Unentschlossen und mit der Kimberley Karte bewaffnet, nehmen wir auf einer der Bänke Platz, um zu planen. Kurz darauf gesellt sich John, der Wirt des Roadhouse zu uns und wir quatschen über dies und das. Vorallem gibt er uns aber ein paar ganz hilfreiche Tipps für unsere weitere Tour. Wenn wir schon keine Krokodile in the wild zu sehen bekommen, so sollten wir doch wenigstens in einer Crocodilefarm in Broome welche zu sehen bekommen. Außerdem soll die Peninsula nördlich von Broome sehr sehenswert sein. Krokodilfleisch werden wir vermutlich in Kununurra bekommen können. Die Tipps sprudeln gerade zu aus ihm heraus.

DSC02689DSC02671 Zu aller erst sollten wir aber die Galvans Gorge besuchen, die unweit von hier ist und nicht gesperrt ist. Prompt machen wir das und vor uns tut sich nach einer kurzen Wanderung eine Oase auf, die ebenso im Amazonas hätte sein können. Ein Wasserfall stürzt über zwei Kanten in glasklares Wasser. Der Pool darunter lädt geradezu zum Schwimmen ein. Wir genießen die Idylle und das kühle Nass. Am Ufer hängen überall große Spinnennetze mit den dazugehörigen Spinnen. Von klein bis groß ist alles dabei. Micha sucht wieder die Herausforderung im Gestrüpp und möchte die erste Terasse des Wasserfalls erreichen.

Obwohl es in der Gegend die Freshies geben soll, was uns auch am Roadhouse bestätigt wurde, sind wir bisher immer noch nicht fündig geworden. Muss doch die Krokodilfarm in Broome dafür herhalten.

Die Fahrt nach Derby wird nur noch durch eine kleine Pause in einer kleinen Parkbucht, wir nennen sie ‘tropical oasis’, weil so idyllisch, unterbrochen.

DSC02647 Nach Einbruch der Dämmerung scheinen die Vögel gefallen daran zu finden, in Scharen vor dem Auto aufzuschrecken und in letzter Sekunde dann abzudrehen. Papageien, Elstern und anderes Fluggetier gönnt sich diesen Adrinalinstoß. Einer dieser Gesellen hat es mit dem Spaß etwas übertrieben und die Kollision mit dem Roobar vermutlich nicht schadlos überstanden. Die Rindviecher sind ähnlich drauf, zuerst beobachten sie das Auto lange auf sich zufahren, bis sie dann kurz vor unserer Ankunft auf die Straße laufen. Haben die Tiere das Leben auf diesem wundervollen Kontinent satt? Zugegeben, es ist sehr heiß!

Roadtrainsequenz smallRoadtrains präsentieren wieder ihr Schauspiel mit der Staubwolke. Wie zornige Monster wälzen sie sich über die Straße und nehmen mit der riesigen Staubfahne weit mehr als die Straßenbreite ein. Da man in diesen Augenblicken überhaupt nichts mehr sieht, bleiben wir sicherheitshalber jedesmal stehen und warten eine Weile ab, bis der Staub sich gelegt hat.

DSC02716Die Sonne macht einen grandiosen Abgang, ein Farbspiel von lila, gelb bis rot ergießt sich in den türkisblauen Himmel. Das Farbspiel am Horizont reflektiert sich nochmal in den spärlichen Wolken. Wir fahren exakt nach Westen, das heißt direkt in die Sonne hinein. Macher Kilometer wurde so im buchstäblichen Blindflug gemacht. Nach Einbruch der Dunkelheit – eigentlich sollte man da überhaupt nicht mehr fahren, aber wir haben nur noch ca. 100 km – lösen Eulen die Dämmerungsvögel ab. Nun sitzen Eulen am Straßenrand oder auf der Straße und warten auf uns, um dann im letzten Augenblick aufzuschrecken.

Wir sind nicht alleine unterwegs – einige andere Autos sind ebenfalls noch auf der Straße. Einem Geländewagenfahrer scheint unser Reisetempo zu gering zu sein und überholt uns in einem waghalsigen Manöver. Er schießt an der Böschung an uns vorbei und mäht einen Seitenpfosten dabei um.

Wohlbehalten erreichen wir schließlich Derby und quartieren uns bei dem bereits bekannten Caravan Park ein. Unser Tetrapack-Wein geht zur Neige.

Gibb River Road, Tag 2

Unser Zeitplan gibt uns acht Tage Zeit für die Gibb River Road, die leider weder 4WD-mäßig anspruchsvoll, noch durchgehend befahrbar ist. Außerdem sind alle nennenswerten Sehenswürdigkeiten, wie Windjana oder Bell Gorge gesperrt. Sprich, wir haben sehr viel Zeit. Und so beginnen wir den Morgen auch mit Lesen. Später gibt es noch übrig gebliebene Gemüsesuppe vom vorabend und dann lesen wir weiter. Irgendwann, als es zu heiß wird, brechen wir unser Lager ab und fahren gemütlich weiter bis zum Imimtji Roadhouse. Dort machen wir Rast, wie gesagt, wir haben Zeit. Es gibt Kaffee, Eis und im Anschluss noch einen Milch-Shake. Wir lesen und lesen. Die Weiterfahrt bleibt fahrtechnisch weiterhin unspektakulär, selbst die Flussfurten sind lächerlich klein, es werden gerade mal die Reifen benetzt. Wo ist die Gibb River Road, die uns bei der Planung etwas Respekt einflößte? Sie ist im Reiseführer von vor 10 Jahren, selbst in Australien bleibt die Zeit nicht stehen…

DSC02601Naja ganz ohne scheint sie doch nicht zu sein, zumindest wenn man zur falschen Zeit hier reist. Ein Geländewagen war wohl noch während der Regenfälle unterwegs und zu der Zeit können die Creeks einen noch so richtig mitreißen… Zur falschen Zeit am falschen Ort!

Wir biegen in die Adcock Gorge ab, die – oh Wunder – nicht gesperrt zu sein scheint. Es war auch nicht explizit nötig die Straße zu sperren, am Ende ging es dann eh nicht mehr weiteDSC02650 r. Ein etwas größerer Creek mit einem darinliegenden Baum versperrt uns den Weg. Doch draufgängerisch nehmen wir beide Hindernisse mit unserem Toyota-Zugpferd. Der Baum verhängt sich am Unterboden und wird ein Stück mit durch den Creek geschleift. Schlussenendlich erreichen wir das andere Ufer und stellen fest, dass es hier definitiv nicht mehr weitergeht. Der Wagen gräbt sich im Weichsand und Schlamm ein. Mit Mühe schaffen wir es, auf dem eng von Bäumen begrenzten Areal zu wenden. Wir machen erstmal Brotzeit, Micha läuft noch zur Adcock Gorge, während ich vorort die heimische Flora und Fauna inspiziere. Knallgrüne Ameisen überfallen mich, eine beißt mir sogar in die rechte Schulter. Nachdem hier ja alles giftig zu sein scheint, bekommt man selbst vor so kleinen Biestern Respekt. Im Wasser tummeln sich Gelbrandkäfer und viele kleine Fische. Nach unserem kurzen 4WD Abenteuer schlagen wir an einem Fotopunkt an der ‘Gibb’ unser Nachtlager auf.

Gibb River Road, Tag 1 (Lennard Gorge)

DSC02587DSC02639 Zunächst müssen wir einkaufen, denn auch wenn die Gibb River Road gesperrt ist, werden wir einen Teil davon befahren können. Wir betanken also das Auto, stopfen den Kühlschrank mit Lebensmitteln voll und erkundigen uns nochmals nach den Road Conditions der ‘Gibb’. Die Polizei verweist uns an ‘Main Road’, ein staatliches Unternehmen, welches den Status der Straßen kennt und offensichtlich auch festlegt, ob die Straße befahren werden darf oder nicht. Dort werden wir auf den gleichen Stand gebracht, auf den wir bei unserer gestrigen Internetrecherche ebenso schon gestossen sind. Wir können bis Mt. Barnett fahren und müssen dann umkehren. Also machen wir uns auf die Socken, bzw. Pneus und schrubben die ersten Kilometer Asphalt in die ‘Gibb’. Zwischendurch ist Brunch angesagt. Wir spannen unser Sonnensegel und tischen auf, was unser Kühlschrank so hergibt. Im Anschluss verdauen wir bei mitgebrachter Lektüre unser Mahl. Ab und zu rattern Roadtrains oder 4WDs vorbei, viel ist jedenfalls nicht los. Irgendwann wird es auch unter dem Sonnensegel unerträglich heiß. Bei 38°C im Schatten bauen wir ab und flüchten in unser klimatisiertes Auto. Die Piste zur Windjana Gorge und Tunnel Creek sind wie angekündigt gesperrt, deshalb nehmen wir mit der angeblich etwas weniger spektakulären Lennard Gorge vorlieb. DSC02607DSC02622 Im 4WD Gang kriechen wir dorthin. Den letzten Kilometer müssen wir laufen, während bereits auf nicht markierte Wege und Absturzgefahr an der Schlucht hingewiesen wurde. Wir nehmen sicherheitshalber das GPS mal mit, damit wir durch das unwegsame Gelände wieder zum Auto zurückfinden. Dass der Weg nicht markiert ist, war nicht übertrieben. Zuerst ging es noch auf einem Ziehweg entlang, der aber bald in einer Wendeschleife endete. Ab da ging’s nur noch durch mannshohes Gras und extrem hartes, stacheliges Spinifex. Das Spinifex scheint das einzige Gras zu sein, das nicht gefressen werden kann. Die harten Spitzen des Grases sind so spröde, dass sie sich zuerst tief in die Haut bohren und dann abbrechen. Äußerst unangenehm und kann natürlich auch zu Entzündungen führen. Jedenfalls müssen wir da zum Teil durch. Nachdem sich bei jedem Pieksen auch etwas noch gefährlicheres hätte ereignen können, inspiziere ich regelmäßig meine Beine nach Bisswunden. Wie erwähnt, Australien hat die giftigsten Schlangen und Spinnen weltweit. Manche Schlangen sind so giftig, da wäre ich zum inspizieren gar nicht mehr gekommen. Man kann sich aber relativ sicher darauf verlassen, dass die Schlangen das Weite suchen, wenn sich Menschen nähern. Darauf haben wir uns einfach auch mal verlassen. Und da ich diese Zeilen schreiben kann, scheint es auch geklappt zu haben ;-) . Den Weg konnte man nur am Geräusch eines Wasserfalles erahnen. Das Geräusch wurde immer lauter, die Socken immer voller mit stechenden Stängeln, pieksenden Kletten und Gräsersamen. Wenn man vorher noch keine Idee gehabt haben sollte, wie das Speargrass zu seinem Namen kam – nun spätestens jetzt wissen wir es. Irgendwann stehen wir an der steil abfallenden Klippe, Wasser ist jedoch nur zu hören, nicht zu sehen. Wir kraxeln runter, bis ein Wasserfall zu Tage tritt. Wir kraxeln weiter und sind schließlich am Grund der Schlucht. Wie auf einer Bratpfanne fühle ich mich, der Schweiß tropft nur so die Hutkrempe herunter. Da ist das Wasser des Lennart River eine willkommene Abfrischung. Micha springt in die Fluten, ich begnüge mich mit naßmachen und Füße ins Wasser hängen lassen. Irgendeiner muss das Auto ja auch wieder zurückbringen, wenn der andere von einem Krokodil gefressen wird. Der Rückweg ist noch etwas abenteuerlicher. Das GPS funktioniert nicht (Batterien sind leer) und wir wissen nur vage, wo das Auto steht. Das Gras scheint hier noch höher zu sein, jedenfalls sehe ich nur noch Michas Kopf herausragen, darüber sengende Sonne. Grobe Felsbrocken am völlig von Sträuchern, Büschen und diesem verdammt hohen Gras bedeckten Boden machten das Durchkommen noch schwieriger. Trotzdem erreichen wir schließlich den uns bekannten Ziehweg. Schweißgebadet und vom gepiekse in den Stiefeln genervt ziehen wir uns in das Auto zurück. Wir fahren zurück zur ‘Gibb’.

Einer der Reize der Gibb River Road sollte der 4WD Charakter der Strecke sein. Jedoch davon ist keine Spur. Die Strecke ist besser in Schuss gehalten, wie die häufiger frequentierte Hauptverbindungsstrecke vom Zentrum in die Kimberley Region – die Tanami Road. Pech gehabt, den 4WD müssen wir hier jedenfalls nicht einschalten. Hoffentlich entschädigt uns die Landschaft ein wenig für die Aufwände, die wir in Kauf genommen haben, um in die Kimberleys zu kommen. Und das tut sie. Ganz anders als im heißen, trockenen Süden, sind hier weite Grasflächen, Wälder und ab und zu River oder Creeks. Ein völlig anderes Australien, als wir es bisher zu sehen bekamen. Glückliche Kühe weiden am Straßenrand, die Kängurus sind hier sicherlich auch glücklicher, da kaum welche am Straßenrand rumliegen. An einer Parkbucht halten wir für die Nacht. Es gibt sehr reichhaltige Gemüsesuppe, die zu schnibbeln schon eine halbe Stunde Zeit in Anspruch nahm. Etwas später kommt noch der Grader dazu, den wir zuvor beim begradigen der Gibb River Road überholt hatten. Ein Grader ist letztendlich nichts anderes als ein großer Räumer, der den losen Untergrund wieder glattzieht und die Furchen und Löcher damit wieder füllt. So wird die ‘Gibb’ viermal im Jahr bearbeitet, wie wir von unserem neuen Nachbarn später erfahren. 4WD – ade! Er gesellt sich zu uns und erfreut uns mit seinem sehr schlecht bis nichtverständlichem Australisch.

Derby und Geiki Gorge

DSC02534Den Morgen beginnen wir mit Pfannkuchen, bevor wir in Fitzroy Crossing einlaufen. Die Geiki Gorge ist unser Ziel. In der Touristinfo erfahren wir, dass es leider noch keine Bootstouren gibt, dafür sind wir jahreszeitlich noch zu früh dran. Um unseren Tatendrang nachzugeben machen wir zumindest eine kleine Wanderung, in der Hoffnung ein paar der exotischen hier ansässigen Tiere zu finden. Angeblich gibt es hier Freshies (Süsswasserkrokodile), Sägefische und Stachelrochen (alles im Süßwasser!), doch leider bleibt das alles unseren Augen verborgen. Trotzdem sehen wir zumindest ein paar Schützenfische am Ufer des Fitzroy River nach Futter patroullieren. Das viele Geraschel im Gestrüpp entpuppt sich sehr schnell als DSC02508 Heuschreckenarmada. Mit jeden Schritt springen etwa fünf Heuschrecken in allen Farben und Größen auf und flattern aufgeregt davon. Die Schlucht hat außer Hitze weiter nichts aufregendes zu bieten und so machen wir uns weiter auf den Weg nach Derby, dem Startpunkt der Gibb River Road. Mit der Zeit sehen wir immer häufiger die Boabtrees (Flaschenbäume), für die diese Gegend bekannt ist. Diese Bäume können offensichtlich, wie wir es mit eigenen Augen zu sehen bekommen, so groß werden, dass locker ein paar Personen darin Platz finden. Die Bäume können innen ausgehöhlt sein, was deren Vitalität aber scheinbar keinen Abbruch tut. Jedenfalls hat der Prisontree kurz vor Derby genau diesen Zweck erfüllt. Gefangene wurden darin temporär eingesperrt. In Derby begeben wir uns auf einen Campingplatz und gönnen uns mal wieder einen ausgiebige Dusche. Die mehreren Lagen aus Sonnencreme, Schweiß, Staub und Mückenmittel haben uns mittlerweile schon gut imprägniert. Die Seife kann die Kruste aber dann doch aufweichen und entfernen.

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Die schlimmste zu befürchtende Nachricht für unsere Reise hören wir von unserem Campsite-Besitzer, die Gibb River Road ist gesperrt. Unser ganzer Plan platzt auf einmal und wir sind ratlos, was wir nun tun sollen. Ein erster vernünftiger Ansatz ist, ins Hafenrestaurant zu gehen und einen gegrillten Barramundi zu verspeisen. Der Barramundi ist äußerst lecker und wir werden mit Sicherheit mal wieder Barramundi essen – wer weiß, vielleicht werden wir ja auch noch selber Barramundi angeln?

Der anschließende Besuch im Internet-Café verschafft etwas Licht in unserer Situation. Es ist nicht die ganze Strecke gesperrt. Wir schöpfen die Hoffnung, dass wir zumindest einen Teil der Strecke fahren können. Trotzdem wird es uns nicht erspart bleiben, die gleiche Strecke anschließend wieder zurückzufahren und leider auch die 900 km Great Northern Highway nach Kununurra. Unsere bereits gebuchten Flüge nach Cairns können wir offensichtlich nicht mehr stornieren, ohne Totalverlust der Ausgaben zu erleiden. Deshalb entfällt die Option, ggf. das Auto direkt nach Cairns zu fahren, vorausgesetzt Chris von TCC hätte dem zugestimmt.