Barramundi angeln und mehr im Kakadu National Park

Wir haben am Kakadu National Park selbstverständlich Mücken erwartet, es gibt hier ziemlich viele Überschwemmungsflächen und die Flüsse sind das ganze Jahr über mit Wasser gefüllt. Aber das, was uns am Morgen erwartete, sprengte meine Vorstellungskraft. Die Moskitogaze war voll dieser Blutsauger, die nur darauf warteten, dass wir einen Fuß vor das Zelt setzten. Ständig drangen welche in dasDSC03316 Zelt ein, es gibt leider genügend Öffnungen, die das zulassen. Mit diesem Mückenstrom konnten wir fertig werden, doch was tun mit der Mückenbelagerung außerhalb des Zeltes? Micha fasst den mutigen Entschluss und stürmt nach unten, um das Insektengift zu holen, dann begann die Schlacht. Ein Gemetzel, das selbst mir einen gewaltigen Hustenreiz abverlangte, gereizt durch die Giftgaswolke, die langsam in das Zelt eindringt. Die Schlacht war kurz aber heftig. Die Dose ist leer, überall liegen Mückenleichen herum, genug Zeit um sich mit Mückenmittel einzusprühen. Allerdings scheint das die Moskitos hier nicht sonderlich zu beeindrucken. Die Sonne wird heißer, die Mücken weniger. Deutlich entspannter können wir uns dem Frühstück widmen, dem übrig gebliebenen Bohnengericht.

In der “Beautyfarm”, den hiesigen Facilities, gönnen wir uns eine ausgiebige Dusche, Rasur, Zahn- und Hautpflege. Doch trotz all dieser Pflege ist gleich wieder Mückenrepellent angesagt, die Biester lassen einfach nicht locker. In der Rezeption schlürfen wir in mückenfreier Atmosphäre entspannt unseren Cappucchino und surfen etwas im Internet.

DSC03457 Gegen Ein Uhr holt uns Dean zum Fischen ab. Sein Boot im Schlepp fahren wir durch Überschwemmungsgebiet zur Bootsrampe. Mit dem Boot fahren wir in eine grüne, von Schwimmpflanzen übersäte Flusslandschaft hinein. Er erzählt recht viel über die hiesige Tier- und Pflanzenwelt, anfänglich in Idiotenenglisch, bis er offensichtlich überreisst, dass wir auch “normales” Englisch durchaus in der Lage sind zu verstehen. Bei einem in der Sonne dösenden Saltie erzählt er uns, dass die größeren Exemplare auch schon mal einen Namen bekommen. So gibt es Tripod, das dreibeinige Croc; Blacky, der Tripod das Bein abgebissen hat und seine schwarze Farbe daher hat, da er sich nur in Süsswasser aufhält. Und Pluto gibt es auch noch. Einst war ein Aborigine mit seinem Hund Pluto in den Sümpfen unterwegs. Und als Pluto von einem Croc gefressen wurde, nannte er das Krokodil Pluto. Eine etwas merkwürdige, wenn auch interessante Variante eines Grabsteines. Desweiteren bekommen wir den einzigen heimischen Storch Australiens, den Jabaru zu sehen. Außerdem scheinen es diverse andere Vögel ebenso mit uns gut zu meinen, so jedenfalls Dean, der bisher nie so erfolgreich auf Fotosafari mit seinem Boot war. Der Rufus Night Heron läßt sich quasi von Auge zu Auge ablichten, der Forest Kingfisher macht nicht mal Anstalten zu fliehen, als wir ihn dazu aufforderten, um auch ein paar Flugbilder zu erhaschen. Eine beliebte Aborigine-Speise scheinen die Magpie Geese zu sein, die hier in Scharen vorkommen oder auch deren Eier. Die sehr farbenfrohen Rainbow Bee Eater stürzen sich vor uns ins Wasser, um fliegende Insekten zu fangen. Elegant landet ein White Bellied Seaeagle auf einem Baum, der zweitgrößte Greifvogel Australiens, und präsentiert sich majestätisch zum Fotoshooting. Der Whisteling Kite, ebenfalls ein Raubvogel, begleitet uns schon durch ganz Australien. Zweimal konnten wir ihn als erfolgreichen Jäger mit einer Schlange in den Fängen davonfliegen sehen. Immer wieder belustigen uns die Kakadus mit ihren merkwürdigen Akrobatiken im Baum. Machmal scheint es, sie hingen in einer aussichtlosen Lage, entweder kopfüber an einem Ast oder gar nur noch am Schnabel mit Ihren Krallen nach einem rettenden Ast angelnd. Ein markerweichendes, aufgeregtes Geschrei kündigt einen Whisteling Kite an, der sogar noch die Dreistigkeit besitzt, auf dem kakadubesetzten Baum zu landen. Unter Protest wechseln die Kakadus zum Nachbarbaum. Lautes Schmatzen im Wasser, so Dean, bedeutet, dass der Barramundi wieder einen Fisch an der Wasseroberfläche eingesaugt hat. Die Jagdmethode ist nämlich ebenso einfach wie effizient. Der Barramundi reißt seine riesiges Maul auf und saugt durch den Unterdruck seine Beute einfach ein.

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DSC03369Es geht ans Angeln. Dean erklärt uns, dass der Wobbler (mit Haken besetzter Fischdummy) ruckartig durch das Wasser gezogen werden sollte. Dahinter vermutet der Barramundi einen kranken Fisch und stürzt sich auf ihn, so die Theorie. Er demonstriert die Praxis kurz und sehr beeindruckend, denn der erste Barrumundi hängt bereits am Haken. Dean drückt mir die Rute in die Hand und ich ziehe den 53 cm langen Barramundi an Deck. Leider liegt er mit dieser, für mich trotzdem beeindruckenden Größe, noch unter dem Fangmaß. Er wird wieder in die Freiheit entlassen. Micha und ich versuchen unser Glück und irgendwann fange ich einen, der leider mit seinen 54 cm immer noch unter den 55cm Fangmaß liegt, also zurück ins Wasser. IMG 1696 Wir fangen weitere noch kleinere Barramundis, bis Micha unser Abendessen sichert. Mit knapp über dem Fangmaß, hat dieser Fisch leider nicht so viel Glück und wird von Dean fachmännisch getötet. Später filetiert er ihn noch für uns, wir freuen uns auf etwa ein Kilogramm Barramundi-Filet zum Dinner. Um Deans Office, wie er diesen Teil des Kakadu National Parks nennt, beneide ich ihn. Überflutete Wiesen, Seerosen, überall kreischende und gackernde Vögel, gegenüber von uns taucht ein Saltie auf und geht wieder unter. Kanufahren ist hier im Übrigen zur Sicherheit der Kanufahrer verboten, denn diese scheinen von Salties manchmal attackiert zu werden, während ein Motorboot von der Form wohl weniger einem Konkurrenten ähnelt und in der Regel unbehelligt bleibt. Trotzdem scheint auch das Motorengeräusch vom machen Salties als Knurren eines Konkurrenten aufgefasst zu werden. Es gab auch schon solche Unfälle mit Motorbooten. Wir fühlen uns jedenfalls ziemlich sicher in Deans Boot und genießen den Ausflug in vollen Zügen. Gegend Abend sorgt die Sonne für eine besondere Stimmung. Die Landschaft reflektiert sich im stillen Wasser, die Vögel machen Lärm, die Fische springen und die Fliegen sind ebenso präsent.

DSC03461Unser Barramundi-Filet wird zu einem unserer köstlichsten Gerichte dieser Reise verarbeitet. Wir sind von dem zarten Fleisch überwältigt und sind uns einig, dieser Tag war definitiv einer unserer Reisehöhepunkte. Leider zwingen mich die Mücken in lange Klamotten, was unwillkürlich zu permanentem Schwitzen führt. Tja, schwitzen oder von Mücken maltretiert werden, das sind die Optionen. Trotzdem finden sie natürlich verwundbare Stellen, schon lange habe ich das Zählen den Stiche aufgegeben.

Katherine Gorge und Kakadu National Park

Wir stechen mit dem Boot in den dampfenden Fluss der Katherine Gorge. Die Luft ist kühl, die Sonne beginnt so eben die oberen Kanten der Schlucht zu kitzeln. An den Bäumen hängen Fruit Bats (Fledermäuse) wie reife Früchte und kreischen, wenn sie sich gegenseitig zu nahe kommen. Flapp, flapp, wieder kommt eine angeflogen und lässt sich wie ein nasser Sack in das Geäst fallen. Das Frühstück ist gelinde gesagt grauenhaft. Sicherlich sind wir durch unsere Gourmet-Tour durch Australien etwas verwöhnt, zumal unsere Kochkünste sich fast täglich übertreffen. Dennoch sind wir sehr wohl noch in der Lage zu beurteilen, ob was gut oder schlecht

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gekocht wurde. Es gibt Rührei, sollte es zumindest sein, Bohnen und Speck. Das Rührei ist dermaßen geschmacksneutral, dass die Korrelation zwischen dem auf der Gabel Gesehenem und im Mund Geschmecktem Unbehagen ausübt. Optisch ist es Rührei, geschmacklich keine Ahnung? Da mit Eiern nicht zu spaßen ist, belasse ich es bei dieser Portion und widme mich lieber dem vorbeiziehenden Panorama. Ein Freshie liegt im Schatten und hofft darauf, dass ihn die Sonne bald in Schwung bringen möge. Eine Wasserschlange kreuzt unseren Seeweg.

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Im Kakadu National Park steuern wir zuerst den am Ende einer Piste liegenden Gunlom Wasserfall an. Es gibt Brotzeit. Mittlerweile sind wir darauf bedacht, unsere Essensvorräte zu dezimieren, in drei Tagen müssen wir unser Auto in Darwin abgeben. Der Wasserfall stürzt sich viele Meter in einen glasklaren See. Wir hoffen auf eine dort beheimatete Wasserschildkröte zu stoßen, doch der kleine Badebetrieb verhindert die geringsten Aussichten diesbezüglich.

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In der Gagudju Cooinda Lodge suchen wir uns einen passenden Platz zum Campen und vertreiben uns die Zeit zuerst bei einem Cappucchino, dann beim Moskitoklatschen und später bei einem kühlen Bier mit grauenhafter Live-Musik. Unter der Motivation der Moskitos zaubern wir aus unseren Restbeständen in kurzer Zeit ein recht passables Bohnengericht mit Salat. Ich heimse mal wieder reichlich Stiche ein, trotz Moskitorepellent und Moskitocoils, die an jedem Eck qualmen. Dingos streifen herum und heulen, Fruit Bats hängen in den Bäumen und stimmen ebenso zum Konzert ein.

Spontan buchten wir heute noch eine Angeltour mit unserem persönlichen Fischer-Guide im Kakadu National Park. Wir denken, das es eine gute Alternative zu den überfüllten Touristenbooten ist und bereitet außerdem den Angelspaß und bei Petriglück noch ein Abendessen.